Der Bund hat 2,5 Millionen Euro
für den Galileo-Forschungshafen in
Rostock bewilligt. Firmen aus MV
sind federführend bei dem Projekt.
Hintergrund
Galileo navigiert ab 2010
Galileo steht für ein geplantes
europäisches System von 30 Satelliten, die ab 2010
eine bis auf zehn Zentimeter genaue Positionsbestimmung
auf der Erde ermöglichen sollen. Die Satelliten werden
sich auf einer Erdumlaufbahn in 23 200 Kilometer Höhe
bewegen und sind mit hochpräzisen Atomuhren ausgestattet.
Als Anwendungsbereiche gelten Telematik, Luft- und
Schifffahrt, Fischerei, Umweltschutz und Bauwesen,
aber auch die Seenotrettung.
Der Investitionsumfang beträgt rund 3,8 Milliarden
Euro. (ddp)
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Warnemünde (ddp) Bundesverkehrsminister
Wolfgang Tiefensee
(SPD) hat grünes Licht für den
Rostocker Galileo-Forschungshafen
gegeben. In den kommenden
drei Jahren stehen insgesamt 2,5
Millionen Euro Fördermittel zur
Verfügung, um maritime Anwendungen
des Satellitennavigationssystems
vorzubereiten. Federführend
für das Projekt ist das EADSTochterunternehmen
System-
Technik RST in Warnemünde, das
Tiefensee gestern besichtigte. Rostock
sei ein wichtiger Spieler im
ostdeutschen Netzwerk für das
"ehrgeizige Galileo-Projekt", betonte
der Minister.
Im Rostocker Hafen können
Schiffe und Ladungen demnächst
mit Hilfe "von ganz oben" dirigiert
werden. Experten der System-
Technik RST bereiten eine erste
Anwendung des Satellitennavigationssystems
Galileo vor. "Starten
soll das System ja erst 2010", sagte
Geschäftsführer Manfred Lehde.
Mit einem Trick zeigen die Entwickler
aber schon heute, was
dann alles möglich sein wird.
Dafür wurde zur Probe auf
einem Hochhaus direkt an der Hafeneinfahrt
eine erste feste Bodenstation
aufgestellt, die Signale von
ihrem punktgenauen Standort
sendet. Eigentlich sind diese Daten
für Galileo-Satelliten bestimmt,
die sich daran orientieren
können. Sie haben aber auch einen
Nebeneffekt: denn auch auf
direktem Weg weist eine Bodenstation
dem Empfänger ähnlich
wie eine Kompassnadel den Weg.
"Um sich im Raum orientieren zu
können, müssen wir mehrere dieser
terrestrischen Sendestationen
aufbauen", erklärt Lehde. Bis zu
sechs dieser Sender sollen in der
Region Rostock aufgebaut werden.
Komplettiert mit Empfängern
wäre dieses Netz eine Navigationshilfe,
von der Kapitäne und Logistiker
im Hafen jetzt noch träumen.
"Das schon jetzt existierende
GPS ist relativ ungenau. Da kann
es schon einmal vorkommen, dass ein Kapitän auf seinem Bildschirm
eigentlich vier Meter an Land liegen
müsste, obwohl er gerade am
Kai festgemacht hat", sagt Lehde.
Galileo, das bis 2010 einsatzfähige
europäische Satellitensystem, sei
da wesentlich genauer. "Maximal
ein paar Zentimeter wird es da Differenzen
geben", erklärt der Ingenieur.
Für den Schiffsverkehr in engen Gewässern wie Hafeneinfahrten
oder in mit Untiefen gespickten Seewegen sorgt diese Navigation,
die im Gegensatz zum amerikanischen System auch nicht bewusst
von militärischer Seite gestört werden kann, für mehr Sicherheit.
Aber noch deutlicher wird der Nutzen für den Warenverkehr
rund um den Hafen sein. Während der Containerverkehr schon
hochgenau funktioniere, sei das bei Gütern wie Holzladungen
noch nicht der Fall. "Mit Präzisionsnavigation weiß ich genau,
wo die Waren an der Kaikante sind und kann sie eindeutig identifizieren",
erläutert Lehde.
Auch in geschlossenen Gebäuden
sorgt die Navigation für Ordnung
und Überblick. Nötig sind
dafür Signale von Bodenstationen
sowie entsprechende Empfänger.
Etwa 10 000 Euro kosten diese
noch. "Aber wer weiß, vielleicht
werden die später regulär in Neubauten
wie Lagerhallen und Tiefgaragen
mit eingeplant", schildert
Lehde seine Vorstellungen. Auch
die Schiffe benötigten für Galileo
ein neues Empfangsgerät.
Wenn die geplanten 30 Galileo- Satelliten in vier Jahren ihre
Arbeit in den Umlaufbahnen aufnehmen, sollten wichtige Anwendungen
bereits erprobt sein, findet Lehde. "Da wird viel Software
gebraucht." Zu einer Softwareschmiede für Galileo-Anwendungen
entwickelt sich auch das IT Science Center Rügen in Putbus.
Das unlängst gegründete Forschungszentrum hat mit dem Siemens-Konzern
eine Kooperation zur Entwicklung maritimer Nutzungssysteme
unterzeichnet.
Katrin Schüler & Ralph Sommer